„Über mich wird heute viel gesprochen“, konstatierte der sechzigjährige Jochen Pläcking vom Kommunikationsverband in einer flammenden Begrüßungsrede für die „verdammt gute Zielgruppe“ der Best Agers. Die Alterspyramide kippt, die Jugend will eigentlich erwachsen werden, tut es aber nicht. Die Best Agers sind eine der konsumstärksten Gruppen in Deutschland und „wollen alles, nur nicht als alt angesehen werden“.
„Jährlich steigt die durchschnittliche Lebenserwartung um drei Monate“, analysierte Dr. Ulrich Reinhardt vom BAT Freizeit-Forschungsinstitut. „Gelernte Zielgruppen-Segmentierungen greifen nicht mehr. Wir befinden uns im Zeitalter der „Luxese“ - mal Luxus, mal Askese. Es boomen Marken aus den unteren Preissegmenten sowie Spitzenprodukte. Auf der Strecke bleiben langfristig Produkte der mittleren Preisklasse.“ Hierauf müssen sich die Unternehmen einstellen.
Holm Friebe von der Zentralen Intelligenzagentur warnte ausdrücklich vor dem Begriff Überalterung, der derzeit als Angstszenario kursiert. „Die Gesellschaft wird älter und fühlt sich dabei immer jünger. Die Lebenserwartung steigt, die Lebensmitte rückt nach hinten.“ Ein Umstand, auf den man sich produktiv einstellen kann. Auch das Design sollte sich nicht an den Alten, sondern generell an der Nutzerfreundlichkeit orientieren. „Alte wollen, was alle wollen“, so Friebe.
Auch Professor Frank Heidmann von der FH Potsdam unterstützte die These des „Universaldesigns“ und benennt Fahrkartenautomaten als schlechte Beispiele, an denen Junge wie Alte gleichermaßen scheitern. Unterschiede bestehen jedoch in den Handlungsstrategien der Generationen. Während junge Menschen neugieriger sind und Fehler einkalkulieren, verhalten sich Ältere zielorientierter und gehen ungern Risiken ein. Dies seien die Ansatzpunkte für Dienstleister und Kommunikatoren.
Michael Siegesmund, Redakteur
21.11.05
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